Fotoarbeiten, Malerei und Screenshots bilden das Dreieck, in dem sich die Kunst von Eva Seelbach bewegt. Diese sind dabei stets miteinander verbunden und aufeinander bezogen. Gemeinsam ist ihnen die Frage des Ausschnitts, die Frage nach Kontext, Kontextlosigkeit und Aneignung, nach Möglichkeiten der Verknüpfung, letztendlich nach Form.

So entwerfen die frühen Fotoarbeiten, die häufig auf privaten Familienaufnahmen aufbauen, durch die Technik des Ausschneidens, des teilweise brutalen Weglöschens und der damit verbundenen Reduktion des Blicks neue Bedeutungen durch Lücken und Verstellung. Während in diesen Arbeiten noch das kontextlose 'Weiß' einen Imaginationsraum oder eine Projektionsfläche erzeugte, nähern sich die neueren Arbeiten ähnlichen Fragen auf andere Weise und eröffnen dadurch einen erweiterten Raum.

Durch die Screenshots, deren Medialität es erlaubt, Tiefe und Oberfläche zugleich darzustellen, verschieben sich Blick und Bedeutung in Richtung der Aneigung und Anordnung des Materials. Damit verliert das 'Weiß' jedoch keineswegs seine Berechtigung, es wird vielmehr durch die Kombination von mehreren Ebenen erweitert. Die Imagination findet jetzt ihren Platz in den Anordnungen, zwischen den Ebenen, auf einer Oberfläche zwischen Eigenem und Fremden.
Sowohl innerhalb der einzelnen Screenshots, als auch in der Feststellung mehrerer Screenshots auf größeren Einheiten entwickeln sich durch die Dopplung von Bildern und Formen, durch Wiederholungen verschiedene Narrationen. Ganz so wie in einer Geschichte von Jorge Luis Borges, in der ein französischer Schriftsteller den Don Quichote Wort für Wort abschreibt, beide Text sind „identisch, aber der zweite ist nahezu unendlich viel reicher.“

Die Malerei knüpft sowohl an die Aneigung als auch an die Formensuche an. Für die großformatigen Bilder schneidet Eva Seelbach – mit dem Blick und der Erinnerung – das Eigene aus fremdem Material aus und ordnet es auf der Leinwand neu an. Konsequenterweise finden sich die gemalten Arbeiten in den Screenshots wieder, um erneut angeeignet und verarbeitet zu werden. Diese Bewegung der ständigen Dopplung und Neuordnung führt dazu, dass die Frage nach Eigenem und Fremdem, sich von Materialität und Inhalt zu lösen beginnt und zu einer Frage der Form werden kann.

―Jonas Wegerer/ 2011





Eine Mischung aus Intimität, Exhibitionismus, Voyeurismus und Gewalt, machen auf beklemmende Weise spürbar, wie dünn die Membran der Haut ist, die als schützende Grenze das Innen vom Aussen des Körpers trennt. Eva Seelbachs neue Arbeiten nähren den Verdacht, dass diese Grenze längst nicht mehr existiert. Die Vorlagen für ihre tanzenden Paare stammen aus dem Familienfotoalbum, sie zeigen Menschen in festlicher Garderobe auf einer privaten Feier – oder besser: das, was von ihnen übrig ist. Seelbachs Schere hat ihnen die Köpfe abgeschnitten, hat mal ein Stück nackte Haut getilgt, mal den Hintergrund entfernt, so dass das Auge gezwungen ist, sich ganz auf die zum Tanz vereinten Hände, einen freien Rücken oder ein Paar übereinandergeschlagene Frauenbeine zu konzentrieren. In dieser sexuell aufgeladenen Reduktion des Blicks zeigt sich in brutaler Deutlichkeit, wie sehr das Aussen – die Disziplin, die Konvention, das Ritual – von diesen Körpern Besitz ergriffen hat.

Dietrich Roeschmann/ „Zwischen Verletzung und Verlangen“ Artikel BZ/ zur Ausstellung Introducing08 im Kulturwerk T66/ Freiburg






Eva Seelbach, deren Arbeit zentral um Leerstellen kreist, begann mit Fotos zu arbeiten, aus denen sie radikal einzelne Figuren, Objekte oder Flächen herausschnitt. Übrig blieben oft nur noch die Rahmen und ein paar Details, die das Messer verschont hatte ... als ginge es darum, alle Spuren der Erinnerung aus den Bildern zu tilgen, um die weiße Wand dahinter als Projektionsfläche freizulegen.

Dietrich Roeschmann/ Artikel Regioartline zur Regionale08 2007 im Kunsthaus L6/ Freiburg






Die Arbeiten von Eva Seelbach drehen sich sowohl in Fotografie als auch in der Malerei um die Leere Fläche. Fein stukturierte, detailreiche Elemente stehen neben spontanen, unfertigen Flächen, die Raum und Figur zu sprengen scheinen. Durch verschobene Perspektiven und Masstabsverschiebung wird eine ambivalente Bildwelt aus Nahsicht und Auslöschung erzeugt. Durch das gezielte Auslöschen, durch Überdecken, Über- und Unterbelichten von Bildinhalten liegt die Konzentration in den Arbeiten auf der leeren Fläche, auf dem, was nicht mehr da ist. Ganz bewusst werden jene Bildflächen stehen gelassen, die den Betrachter dazu führen, sich die Frage nach der Intimität der ursprünglichen Szenen zu stellen. Der Bezugspunkt zu seiner ursprünglichen Geschichte wird gelöscht und mit dem nicht (mehr) Vorhandenen neu aufgeladen. Das leere Fläche wird somit zum Imaginationsraum.

Vgl. Barbara Paul/ zur Ausstellung Regionale08 2007 im Kunsthaus L6/ Freiburg






Ausgelöschte Erinnerungen werden häufig durch kleine Impulse wieder geweckt. Als ob Bilder im Gedächtnis durch blinde Flecken verschleiert wären. Eva Seelbach spielt künstlerisch mit den ergänzungsfähigen Passagen, den unterbrochenen Fetzen der erinnerten Bildhaftigkeit. Handelnde Personen sind Teil des Musters, mit dem wir unser Leben stricken. Ausgerissene Fotografien mit vielen weißen Flächen, ornamentale Abrisse vergessener Formen, die einst Strukturen unserer Wahrnehmung geprägt haben könnten.

Tonio Paßlick/ Kulturamtsleiter/ Eröffnungsrede Regionale08 2007 in der Städtischen Galerie Stapflehus/ Weil am Rhein